IP66, IP67, IK08 und IK10: Was schützen diese Angaben?
IP- und IK-Codes beantworten unterschiedliche Fragen. IP beschreibt den Schutz des Gehäuses gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser. IK beschreibt seine Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Stöße. Eine IP67-Kamera ist daher nicht automatisch vandalismussicher, und eine IK10-Kamera ist nicht automatisch für jeden ungeschützten Außenstandort geeignet.
IP und IK nicht verwechseln
| Kennzeichnung | Beschreibt | Beantwortet nicht |
|---|---|---|
| IP-Code | Staub-/Fremdkörper- und Wasserschutz | mechanischen Stoßschutz |
| IK-Code | Widerstand gegen definierte mechanische Stoßenergie | Dichtheit gegen Wasser und Staub |
Für einen exponierten Montageort können beide Angaben wichtig sein.
Wie der IP-Code aufgebaut ist
Bei IP67 steht:
- die erste Ziffer für Schutz gegen Berührung und feste Fremdkörper;
- die zweite Ziffer für Schutz gegen Wasser.
Für Kameras werden häufig IP66 oder IP67 genannt:
- IP66: staubdicht und gegen starke Wasserstrahlen geprüft;
- IP67: staubdicht und gegen zeitweiliges Untertauchen unter definierten Prüfbedingungen geprüft.
Das bedeutet nicht, dass jede Kamera dauerhaft unter Wasser betrieben werden darf. Prüfbedingungen, Montagevorgaben, Temperaturbereich und Herstellerhinweise bleiben maßgeblich.
Was IK08 und IK10 bedeuten
Der IK-Code beschreibt eine genormte Stoßprüfung des Gehäuses. IK10 steht für eine höhere geprüfte Stoßenergie als IK08.
IK-Schutz ist besonders relevant für:
- niedrige, öffentlich zugängliche Montageorte;
- Eingänge, Parkhäuser und Schulen;
- Verkaufs- und Logistikbereiche;
- Bereiche, in denen das Gehäuse absichtlich oder versehentlich getroffen werden kann.
Auch ein IK10-Gehäuse ist nicht unzerstörbar. Halterung, Kabel, Kuppel, Anschlussdose und Befestigungsuntergrund können schwächere Stellen bleiben.
Die häufigsten Montagefehler
Offener Kabelübergang
Eine dichte Kamera hilft nicht, wenn RJ45-Kupplung oder Netzteilstecker ungeschützt im Außenbereich liegen. Verwenden Sie die vorgesehene Dichtung und eine passende Anschlussdose.
Nach oben gerichtete Öffnung
Kabelschlaufen, Wanddurchführungen und Dosen sollten so geplant werden, dass Wasser nicht hineinläuft. Eine Tropfschlaufe führt Wasser vom Anschluss weg.
Falsche oder fehlende Dichtung
Zu stark gequetschte, verschmutzte oder vergessene Dichtungen verlieren ihre Funktion. Verwenden Sie passende Komponenten und kontrollieren Sie sie nach Wartungsarbeiten.
Korrosion und ungeeignete Umgebung
Salz, Chemikalien, Ammoniak, dauerhafte Kondensation oder extreme Temperaturen können ein Standardgehäuse angreifen. Dafür können spezielle Materialien oder Schutzgehäuse erforderlich sein.
Vandalismusschutz nur am Kamerakopf
Planen Sie auch Befestigung, Schrauben, Kabelweg, Anschlussdose und Montagehöhe. Eine robuste Kamera auf schwacher Halterung bleibt gefährdet.
Außenbereich bedeutet mehr als IP67
Prüfen Sie zusätzlich:
- zulässigen Temperatur- und Feuchtigkeitsbereich;
- UV-, Korrosions- und Überspannungsschutz;
- Windlast bei Mast- und PTZ-Montage;
- geeignete Wand-, Decken- oder Masthalterung;
- abgedichtete Kabelverschraubung;
- Kondensationsrisiko;
- Blitz- und Potentialausgleich nach Anlagenkonzept.
Die Schutzklasse ist ein Baustein, keine vollständige Montagefreigabe.
Welche Bauform ist besonders robust?
Vandalismusgeschützte Dome-Modelle sind häufig für erreichbare Bereiche geeignet, sofern das konkrete Datenblatt eine IK-Klasse ausweist. Bullet- und Turret-Kameras können ebenfalls robuste Gehäuse besitzen, lassen sich je nach Halterung aber leichter verdrehen. Eine hohe Montage reduziert Zugänglichkeit, darf jedoch nicht zu einem ungeeigneten Blickwinkel führen.
Passende Produkte und nächste Schritte
- Alle IP-Kameras ansehen
- Dome-Kameras ansehen
- Bullet-Kameras ansehen
- Dome, Turret, Bullet und PTZ vergleichen
- PoE und Netzwerk für Außenkameras planen
- Brennweite und Blickwinkel planen
- Installation und Service anfragen
- Kameraauswahl persönlich prüfen lassen
Normative Primärquellen
- IEC 60529: Schutzarten durch Gehäuse – IP-Code
- IEC 62262: Schutz gegen äußere mechanische Einwirkungen – IK-Code
- IEC-Wörterbuch: Bedeutung einer IP-Schutzart
IP beschreibt die geprüfte Gehäusewirkung gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser; IK beschreibt die mechanische Stoßbeanspruchung. Keine der beiden Angaben bestätigt automatisch Korrosionsbeständigkeit, Blitzschutz, Temperaturbereich oder die Dichtheit einer ungeeigneten Kabeldurchführung.
Unser Rat: Teilen Sie uns nicht nur „Außenbereich“, sondern Montagehöhe, Überdachung, Niederschlag, Zugänglichkeit, Temperatur und besondere Umwelteinflüsse mit. Erst daraus ergibt sich die notwendige Schutzklasse.
